Werftverein - Verein zur Erhaltung der historischen Flugwerft Schleissheim e.V.

 

 

DB 601 E

 

 

Unser jüngster Zugang ist ein Daimler Benz 601 E, der im April 2006 bei uns eintraf. Eine Interessengemeinschaft von Tauchern (http://www.abtauchen.com), unter Leitung von Lena und Lino von Gratzen, betreibt Unterwasserforschung. In Zusammenarbeit mit den französischen Forschern Luc Vanrell und Philippe Castellano wurde der Flugzeugmotor einer Messerschmitt BF 109 geborgen.

 

 

Bergung DB 601 E
Bergung des DB 601E im März 2006 bei Marseille

 

 

Im Jahr 2005 wurde beim Werftverein angefragt, ob der Verein an einer Identifizierung, Konservierung und eventuell an einer Restaurierung eines deutschen Triebwerkes von Typ Daimler-Benz 601 mitwirken möchte. Da die Besitzverhältnisse noch unklar sind, beschränkt sich unsere Arbeit auf die Identifizierung und Konservierung des Triebwerkes. Unter der Leitung von Lino wird versucht, Anhand von Teilen und Seriennummer, die Zeit des Absturzes und das Flugzeug zu ermitteln. Hinzu kommt, dass das Triebwerk an einer Stelle gefunden wurde, an der der französische Schriftsteller und Pilot Antoine de Saint-Exupery mit seiner P-38 abgestürzt war. Da der Absturz von Exupery noch unklar ist, wirft der Fund des DB-601 E viele Fragen auf. Weiter Informationen zum Wrack der P-38 von Exupery findet man auf der areo-relic Seite (http://www.aero-relic.org/English/F-5B_42-68223_St_Exupery/e-00-stexuperyf5b.htm).

 

 

Bergung DB 601 E
aus ca. 55 m wurde der DB 601 E geborgen

 

 

 

Das Triebwerk wurde durch Zufall gefunden. Nach 60 Jahren im Meer war der Zustand des Triebwerkes recht gut. Alle Bauteile, die aus dem Elektron bestanden, existierten nicht mehr. Darunter gehören das Untersetzungsgetriebe, der Lader, der Geräteträger und die Zylinderdeckel. Alle elektrischen Leitungen waren nicht mehr vorhanden. Nach den Beschädigungen am Triebwerk kann man davon ausgehen, dass der Aufprall auf dem Wasser hart war. Das Kurbelgehäuse war auf Höhe des Untersetzungsgetriebes eingerissen. Die Ladeluftleitungen waren von den vorderen Zylindern nach hinten gebogen und zusammengedrückt. Die beiden ersten Zylinder sind so eingedrückt, dass man die Zylinderlaufbuchse und Ventile erkennen kann. Das Triebwerk war überzogen mit einer Kruste aus Korallen und Kalk. Von den 24 Zündkerzen haben wir 4 ausbauen können, die anderen waren einfach nicht vorhanden.

 

 

DB 601 E DB 601 E
DB 601 E Einspritzpumpe vom DB 601 E

 

 

 

 

Zur Identifizierung brauchten wir die Seriennummer vom Triebwerk, die auf den Lagerschalen eingeschlagen sind. Dazu müsste das Triebwerk gedreht und auf die Zylinderbänke gestellt werden. Vorher wurde aber die Einspritzpumpe ausgebaut. Nicht zu glauben, aber wahr. Beim Lösen der Einspritzleitungen entwich der Überdruck aus der Einspritzpumpe und Benzingeruch machte sich breit. Mal was anderes, weil das Triebwerk bis dahin nach Fisch stank. Auch unter der Kruste ließen sich die Schrauben leicht lösen und weder die Mutter und die Anschlüsse waren vom Rost zerfressen. Sie sahen fast wie neu aus. Aber am nächsten Tag waren die Muttern und Anschlüsse vom Flugrost überzogen. Alle freiliegenden Metallteile wurden sofort mit Konservierungsöl eingeschmiert. Lino ist im Kontakt mit Bosch um anhand der Seriennummer von der Einspritzpumpe herauszufinden, im welchen Zeitraum das Triebwerk betrieben wurde.

Fortsetzung folgt...

 

Januar 2008: Wir haben uns entschlossen, den DB-601 E nicht zu restaurieren. Die Beschädigungen und Korrosion ist zu weit fortgeschritten um das Triebwerk zu zerlegen und wieder zusammen zu bauen.

 

Lino hat auf der Taucher.net Seite seinen vorläufigen Forschungsbericht im Internet veröffentlicht:

http://www.taucher.net/redaktion/69/Das_Raetsel_eines_DB_601_-_Teil_3_9.html

 

 

 

Copyright © 2008 - Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved - Der Werftverein e.V.