Werftverein - Verein zur Erhaltung der historischen Flugwerft Schleissheim e.V.

 

 

 

Parallele Welten – oder die etwas kompliziertere Art, zu einer Do 27 zu kommen

von Harald Schuller



Der nachfolgende Artikel schildert den Zusammenbau einer Dornier Do 27 im Maßstab 1:1 innerhalb der Restaurierungswerkstatt des Werftvereins Oberschleißheim, sowie von Modellen in 1:32 und 1:72 oder versucht es wenigstens. Deshalb der Titel „Parallele Welten“, die Entstehung des Originals sowie der Modelle sollte in etwa zeitgleich dargestellt werden.

Die Geschehnisse bis zu meinem eigenen Eintritt in den Werftverein kann ich leider nur aus Erzählungen der anderen Mitglieder und den wenigen existierenden, schriftlichen Hinweisen rekonstruieren. Etwaige Ungenauigkeiten oder Auslassungen bitte ich aus diesem Grunde zu entschuldigen und mir nachzusehen.

„Geschichtliches“:

Zur allgemeinen Historie des Typs Do 27 selbst soll hier nichts hinzugefügt werden, dazu gibt es Abhandlungen aus berufenerem Munde. Die spezifische Geschichte unserer vereinseigenen Do 27 ist jedoch auch ganz interessant und beginnt mit den Frühjahrsstürmen „Wibke“ und „Viviane“ im Februar 1990. Diese frischen Winde wirbelten den Ausstellungspark im Freigelände der Firma Dornier ordentlich durcheinander. Unter anderem wurde eine abgestellte Do 27 durch starke Windböen auf den Rücken gedreht und auf eine andere geparkte Maschine, eine frühe Do 28, geweht, was bei beiden zu erheblichen Beschädigungen führte.


platzsparende Parkweise ...



Nachdem anscheinend bei Dornier niemand ein Interesse an der Wiederherstellung zumindest der Do 27 zu haben schien, konnte sie der Werftverein mit viel Engagement als Spende ergattern, da einige Mitglieder den Wunsch hatten, mal ein Flugzeug zu restaurieren. Mit großem Enthusiasmus wurde die Maschine in der Halle 4, der Restaurierungswerkstatt des Werftvereins, eingelagert und sogleich in Augenschein genommen. Eine Bestandsaufnahme der Schäden ergab, dass in der Hauptsache das Höhen- und Seitenleitwerk, ein Tragflächenende inklusive Querruder, diverse Beulen in der Beplankung, sowie Schäden am Fahrwerk und an der Motorcowling zu reparieren wären. Als größtes Problem stellte sich aber die vollkommen zerstörte, große hintere Dachscheibe heraus, für die kein Ersatz besorgt werden konnte. Auch fehlten Motor inklusive Propeller.

Als diese ernüchternden Tatsachen erst mal das wahre Ausmaß der tatsächlich aufzuwendenden Arbeit deutlich machten, verdünnisierten sich zuerst die allgemeine Begeisterung und nach und nach auch die arbeitswilligen Vereinsmitglieder. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass der Umfang der Reparatur-Arbeiten einfach unsere damaligen Fähigkeiten überstieg, da meines Wissens zum Beispiel auch kein Mitglied die notwendige Erfahrung im Flugzeugbau besaß.

So wurde die Restaurierung einstweilen auf Eis gelegt und die einzelnen Fragmente der Maschine strategisch auf freie Flächen in der Halle verteilt, sodass wenigstens ein weiterer Verfall verhindert werden konnte. Es wurden zwar sporadisch immer wieder neue Versuche unternommen, die Arbeiten wiederaufzunehmen. Aber bis zum Februar 1997 tat sich nichts Wesentliches mehr.

Zu diesem Zeitpunkt konnte durch das Vereinsmitglied Dirk Petersen bei einem Luftsportverein in Fürstenfeldbruck eine weitere Unfallmaschine ausfindig gemacht und käuflich erworben werden.

Diese Do 27 hatte beim Abwurf von mit Anti-Tollwut-Impfstoff präparierten Fuchsködern über Waldgebieten bei ihrem letzen Flug Berührung mit einem Baumwipfel und musste notlanden. Dabei wurden beide Fahrwerks-Beine aus dem Rumpf gerissen sowie der gesamte Unterrumpf durch den Bodenkontakt in Mitleidenschaft gezogen.


Ankunft des Transports vor unserer Halle


Durch die freundliche Unterstützung der Spedition von Horst Mantz und seinen Söhnen wurde die Maschine mit tatkräftiger Mithilfe diverser Vereinsmitglieder auf einem Tieflader vom Luftwaffenstützpunkt Fürstenfeldbruck zum Werftverein nach Oberschleißheim transportiert.


 

 

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