Werftverein - Verein zur Erhaltung der historischen Flugwerft Schleissheim e.V.

 

 

Zylinder

 

Auszüge aus der

Betriebsanweisung und Wartungsvorschrift BR4 für den Junkers Jumo 205C BR4, 1. Ausgabe, 1940,

Betriebsanweisung des Junkers Jumo 205 von Hettich, 1936,

Reihe Luftfahrt-Lehrbücherei Band 18 "Die deutschen Flugmotoren Jumo 205" von Ing. Otto Leib, 1940,

Lehrmittel für technische Fliegerschulen von Junkers

Junkers Flugmotor Jumo 205 D Betriebsanweisung 1. Ausgabe, 1940

Junkers Flugmotor Jumo 205 D BR1 und 2 Teilüberholungsanleitung, August 1941,

JUMO 205 C, D und JUMO 207 B Lichtbild-Lehr-Vortrag, Oktober 1942,

 

 

 

 

Junkers Jumo 205 C
Die Laufbüchse ist ein an beiden Enden offener, dünnwandiger Zylinder aus hochwertigem Chromstahl, der die Laufbahn für die beiden Kolben bildet. Die Laufbüchsen sind wassergekühlt. Zum Abdichten der Kühlwasserräume sind die Laufbüchsensitze mit Nuten für Gummiringe versehen. Bei dreinutigen Sitzen ist die mittlere Nute als Leckkanal ausgebildet, von dem aus an der rechten Motorseite eine Bohrung ins Freie führt. Wird ein Gummiring undicht, so dringt das Kühlwasser durch diese Leckbohrung nach außen und tropft am Gehäuse herunter. Störungen sind dadurch sofort zu erkennen. Zur Erzielung einer wirksameren Kühlung ist die Totraumgegend mit eingefrästen Kühlrippen ausgestattet und durch einen aufgeschrumpften Panzerring verstärkt. Hier befinden sich gleichzeitig die Bohrungen für die vier Einspritzdüsen und vor der D-Version die Bohrung für das Druckluftanlaßsystem. Den Temperaturverlauf der Laufbüchse zeigt das nächste Bild .
   

 

 

 

Jumo 205 Zylinder
Temperaturverlauf am Zylinder

 


Die obere gestrichelte Kurve lässt erkennen, wie die Temperaturen in der Totraumgegend und im Bereich der Auslaßstege ansteigen, wenn diese Stellen nicht gekühlt sind. Die mittlere ausgezogene Kurve dagegen veranschaulicht den wesentlich gebesserten Temperaturverlauf bei einem mit Kühlrippen versehenen Totraum und bei gekühlten Auslassstegen.

 

 

Junkers Jumo 205 Zylinder Junkers Jumo 205 Zylinder
die gekühlten Auslaßstege, die äussere Hülse wurde aufgeschraubt und dann mit Zylinderbuchse verschweißt vor dem Einbau der Hülse wurde noch ein Kanal in die Zylinderbuchse für die Kühlung gefräst

 

Die durch den Kühlstoff drohende Korrosionsgefahr wird durch Zusatz von Korrosionsschutzöl im Kühlkreislauf beseitigt. Kühlwasser fließt von unten nach oben durch den Motor. Wärmeabfuhr in das Kühlwasser 200 bis 250 WE/PS u. h.

 

 

 

Junkers Jumo 205 Zylinder
Junkers Jumo 205 Zylinder Junkers Jumo 205 Zylinder
die erste Variante eines Zylinders für den Jumo 5 diese Variante war ohne Panzerring und ohne eingefrästen Kühlrippen hier waren die Spülluftbohrungen in gleicher Richtung gebohrt

 

 

 

Junkers Jumo 205 Zylinder Junkers Jumo 205 Zylinder
die zweite Variante mit Panzerring und ein gefrästen Kühlrippen Entwicklung der Zylinder, hier ein Auszug aus der Junkers Lehrschau

 

 

Junkers Jumo 205 Zylinder Junkers Jumo 205 Zylinder
kurz nach dem Ausbau, die oberste Ring der Spülbohrungen (rechts) war mit Ablagerungen verstopft hier gut die verschiedenen Winkel der Spülbohrungen zu erkennen, C4 und D Versionen war damit ausgestattet

 

 

 

Die Spülluft hat zunächst die Aufgabe, die Zylinder von den restlichen Abgasen des vorhergehenden Arbeitsspieles zu reinigen, d. h. die verbrannten Gase durch die Auslassschlitze ins Freie zu befördern. Zu diesem Zweck sind die Spülluftbohrungen, bezogen auf die Längsachse der Laufbüchse, verschieden angestellt, und zwar einige tangential, andere dagegen radial. Auf diese Weise gelangt die Spülluft rotierend in den Zylinder, d. h. sie erhält einen Drall, den sie auch nach dem Verschließen der Schlitze während des Verdichtungshubes beibehält. Neben einer guten Reinigung des Zylinderraumes von den Abgasen wird dadurch gleichzeitig gute Füllung und ausgiebige Vermischung der Luft mit dem eingespritzten Kraftstoff gewährleistet. Kurz bevor die beiden Kolben die innere Totlage erreicht und die im Zylinderraum enthaltene Luft völlig verdichtet haben, wird mit der Einspritzpumpe und den vier Einspritzdüsen eine genau bemessene Kraftstoffmenge in die Zylinderlaufbüchse gespritzt. Bei dieser Kolbenstellung hat die Verdichtung und die ihr entsprechende Temperatur die Höhe erreicht, an der sich das Kraftstoffgemisch von selbst entzündet. Auf Grund dieser Eigenzündung erübrigt sich die leicht zu Störungen neigende Zündanlage, wie sie für einen Motor mit Fremdzündung erforderlich ist. Der durch die plötzliche Verbrennung entstehende Druck treibt die Kolben arbeitleistend auseinander. Am Ende dieses Arbeitstaktes und zu Beginn des nächsten Hubes werden zunächst die Abgase ausgestoßen, anschließend tritt neue Spülluft in die Zylinder, die wiederum verdichtet wird, worauf der bereits beschriebene Vorgang von neuem beginnt. Beim Zweitakt entfällt also auf je zwei Kolbenhübe ein Arbeitstakt.

 

 

Junkers Jumo 205 Zylinder
Erklärung Volumentotpunkt

 

 

Damit sich die Abgase rechtzeitig entspannen können, eilt die Auspuffwelle der Spülwelle um 9° voraus. Die Auspuffschlitze werden also vom Auspuffkolben früher geöffnet als die Spülluftbohrungen vom Spülkolben. Hierdurch wird einerseits eine bessere Ausspülung des Zylinderraumes erzielt, andererseits vermieden, dass Teile der Abgase in die Spülluft zurückschlagen können.

 

 

Junkers Jumo 205
Junkers Jumo 205
eine der 4 Einspritzdüsen Anordnung der 4 Düsen im Zylinder

 

 

Der Kraftstoff muss in fein zerstäubter Form in den Totraum hineingebracht werden. Tropfen verbrennen nicht, sondern verkoken und gefährden so den Motor. Die offene Junkersdüse zerstäubt den Kraftstoff, sie arbeitet genau so, wie der Brenner in einer Karbidlaterne. An der Austrittsbohrung des Düsenkörpers treffen zwei aus den Zerstäuberschlitzen der Düsennadel kommende, unter hohem Druck stehende Kraftstoffstrahlen mit großer Gewalt aufeinander, zerstören sich gegenseitig und geben einen senkrecht zu den Zerstäuberschlitzen stehenden Kraftstoffschleier.
Um Anblasen der Kolbenböden und gegenseitiges Stören der 4 Düsen zu erreichen, müssen diese Schleier schräg im Zylinder liegen. Richtige Lage ist gegeben, sobald die Kerben im Düsennadelflansch so liegen, wie obenstehende Skizze zeigt (ca. 45 Grad von links oben nach rechts unten).

 

 

Junkers Jumo 205 C Junkers Jumo 205 C
Einsetzen der Zylinderbüchse ins Gehäuse. Die restlichen 3 cm werden mit einer Gewindestange eingepreßt, dabei muß die Zylinderbüchse so ausge-richtet werden, daß alle 5 Düsen eingeschraubt werden können.

 

 

An dieser Stelle noch ein Wort zu unseren Mitgliedern. Wir haben Miglieder, die in ihren Berufen nichts mit der Reparatur von Motoren zu tuen haben oder Flugzeugmechaniker sind. Viele suchen eine Abwechslung zum Berufsleben. Auf den Bildern ist der Frank, der Tierarzt ist, und Monika, die eine Schuldirektoren ist. Auf dem rechten Bild ist noch Niki zu erkennen, der noch ein Schüler ist. Diese Mitglieder waren schon bei der Restaurierung des Rolls Royce Merlin 500-29 Triebwerkes dabei und die Arbeit unserer Mitglieder kann sich mit anderen Vereinen oder Firmen sehen lassen.

 

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